Pfingsttour auf dem Main

„Das Boot“, dieser Klassiker und Kultfilm kommt mir in den Sinn - „Kult“ ist inzwischen auch unsere Pfingsttour auf dem Main und das große Meeting in „unserem“ Boot. Es ist ein auf dem Trocken liegendes, inzwischen marodes Holzboot auf dem Zeltplatz in Frickenhausen am Main. Die Mannschaft in diesem Jahr: 18 Kanuten aus ganz Deutschland – aus dem VKBonn, aus Köln, Düsseldorf, Neuss, Bamberg, Leipzig, Chemnitz, München und von der Schwäbischen Alb. Die 6. Maintour dieser Art ist es 2013 – es wird nicht die letzte sein.

Die Tour beginnt dieses Mal in Schwarzenau, Flusskilometer 298,6. Das Maiwetter zeigt sich endlich einmal von seiner besseren Seite. Für uns hat das Regenwetter der vergangenen Tage auch seine gute Seite: Der Main strömt mit guter Geschwindigkeit, und das ist bei dem stark regulierten Fluss eine Besonderheit. Wir haben eine 27 km-Strecke vor uns und freuen uns deshalb auf die Unterstützung durch die Strömung. Mit ca. 7 bis 8 km/h paddeln wir stromab.

Nach wenigen Kilometern passieren wir den Ort Dettelbach. Er ist eigentlich einen Halt wert, aber nach nur 4 km können wir noch keine Pause einlegen. So bleibt das altertümliche Städtchen mit seiner Stadtmauer, den Wehrtürmen und Stadttoren heute rechts liegen und verschwindet bald hinter uns, verdeckt durch die hohen Uferbäume, die jetzt das Mainufer säumen.

Es gibt auf unserer Strecke heute noch weitere hübsche Mainorte: Da ist bei Flusskilometer 286 der Ort Kitzingen. Und bei Flusskilometer 282 liegt Sulzfeld. Die kleine Stadt Sulzfeld kennen wir von früheren Touren. Eigentlich ist es eine Pflicht, hier eine Besichtigungstour einzulegen, so sehenswert ist die mittelalterliche Stadt. Auch sie ist umgeben von einem gut erhaltenen Mauerring mit 3 Toren und 18 Türmen. Die alte Pfarrkirche und das Renaissance-Rathaus lohnen eine Besichtigung. Und wer nicht so Architektur-versessen ist, der findet hier eine kulinarische Besonderheit: Bratwürste meterweise!

Der Fluss durchströmt herrliche Landschaftsbereiche. Graureiher, Kuckuckrufe und ein vielstimmiges Sing-vogelkonzert begleiten uns bei herrlichem Sonnenwetter.

Bei Flusskilometer 277 liegt rechts der Ort Marktbreit. Ein alter Kran steht markant am Mainufer. Die mittelalterlichen Straßenräume sind beeindruckend, fotogene Fachwerkbauten und das Renaissance-Rathaus – all das lohnt einen Stopp. Die gemütlichen fränkischen Gasthäuser, mit herrlichem Bacchus-, Silvaner- oder Riesling-Wein – es gab einmal eine Tour, da wären wir in dieser Stadt fast hängen geblieben…

Heute geht es weiter bis Flusskilometer 272,2 Frickenhausen. Der Zeltplatz liegt sehr ruhig und versteckt am rechten Mainufer und zum Essen spielt eine Trachtenkapelle mit alten Schlagern auf. Aber das Besondere dieses Zeltplatzes ist wie schon beschrieben „unser“ Boot. Alle finden sich hier nach dem Essen zu einem Boots-meeting ein. Noch lange sitzen wir in lustiger Runde bei Silvaner und co. und schwärmen von Paddeltouren und Abenteuern rund um den Globus. Wenn 18 Kajakfahrer zusammen kommen – da wird ein Paddlergarn gesponnen … bis weit nach Mitternacht.

Es fällt etwas schwer, am nächsten Morgen rechtzeitig aufzustehen, aber die Sonne weckt uns, und das ist in diesen kalten und regenreichen Maitagen schon eine Freude. Die Trachtengruppe von gestern Abend spielt heute zur Pfingstpredigt. Zum Glück haben wir unsere Bratkartoffeln und Spiegelei verspeist, als die Predigt beginnt.

Vor uns liegen heute zwei Schleusen und insgesamt 18 km Strecke. Die Sonne strahlt vom fast wolkenlosen Himmel, nur ich merke die gestrigen Kilometer. Aber Anke ist fit wie ein Turnschuh!

Die Strecke ist sehr schön: Hohe Bäume säumen die Ufer. Schilfrohrsänger, Singdrosseln, Amseln und Grünspechte geben uns ein lautes Konzert. Kuckuckrufe erschallen – eine tolle Stimmung – auch an Bord unserer kleinen Boote.

Auch heute fahren wir an interessanten historischen Orten vorbei wie zum Beispiel Ochsenfurt bei Stromkilometer 271,2. Der Kanuführer vermerkt hierzu: Rathaus von 1488 mit Stunden-, Datums und Mondanzeiger, darunter Tod mit Standuhr, Pranger mit Hand- und Halseisen, Taubenturm mit unterirdischen Gefängnissen. Bestand das Mittelalter eigentlich nur aus solchen eher grausamen Dingen?

Wir fahren da lieber weiter, passieren die Schleuse Großmannsdorf und kommen zu einem lustigen Doppelort: Rechts am Fluss liegt Sommerhausen und links liegt Winterhausen – der Geburtsort einer Mitpaddlerin. Da werden Erinnerungen wach.

Wir legen einen Landgang 2 Kilometer weiter ein: Stromkilometer 263, landen rechts an einem kleinen Sandstrand vor der historischen Stadt Eibelstadt.

Ein kurzer Fußweg bringt uns zur historischen Altstadt. Durch eins der drei Stadttore betreten wir die Gassen der Altstadt. Auch hier sind die alten Befestigungsanlagen mit Mauer und Rundtürmen gut erhalten und lohnen den kurzen Landgang. Aber die meisten von uns wollen gar nicht die historischen Bildstöcke und Standfiguren oder das spätbarocke Rathaus besichtigen, sondern es hat sich herum gesprochen, dass es gute fränkische Küche und herrliche Kuchenbuffets in den Gasthäusern gibt.

Als sich alle wieder bei den Booten einfinden, hat sich das Wetter dramatisch verschlechtert: kräftige Windböen, düstere Wolken, in der Ferne donnert es. Das angekündigte Schlechtwetter zieht auf. Weiter geht es deshalb in Öljacken.

Vor der Schleuse Randersacker entdecke ich in den Kronen der hohen Platanen auf der Schleuseninsel eine Krähenkolonie. Bis zu 15 große Nester zähle ich in einzelnen Bäumen, und das raue „Kräh-Kräh“ schallt über die Schleuse.

Von Randersacker bis Würzburg ist es nicht mehr weit, bald taucht hoch oben die Festung auf und kurz davor ist unser Ziel: der DKV-Zeltplatz Würzburg. Gerade noch rechtzeitig stehen alle Zelte, dann zieht das Regenwetter auf und kräftige Schauer prasseln auf die Planen. Unsere Träume vom sonnigen Pfingsten versinken in den Sturzbächen, die das Regenwasser in den Main führen.

Heute liegt unsere längste Strecke vor uns: 27,4 km sind es von Würzburg bis Karlstadt, Stromkilometer 226,4. Das Wetter hat sich doch besonnen, bei Sonnenschein starten wir unsere Tour. Der Main hat noch eine bessere Strömung als gestern, schnell sind die drei Kilometer bis zum Würzburger Wehr gepaddelt. Das Schleusen dauert dieses Mal etwas länger. Per Telefon haben wir uns immer angemeldet, jetzt müssen wir jedoch warten, da ein Passagierschiff gerade bergan geschleust wird. Dann paddeln wir in die große Schleusenkammer und lassen uns ca. 4 m absenken.

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Es folgen einige Kilometer mit Industrie- und Gewerbeanlagen an den Ufern, dann wird es wieder einsamer und naturnaher. Vogelstimmen schallen von beiden Seiten zu uns auf den Fluss. Ein Graureiher hat einen großen Aal geschnappt – er passt nicht quer im Schnabel und der Vogel müht sich ab, ehe er die sich windende Beute verschlucken kann – Zeit für mich, die Szene auf dem Chip fest zu halten.

Bei km 249,1 passieren wir Himmelspforten mit dem Karmelitinnenkloster, 2 km weiter liegt auf der linken Seite das Kloster Oberzell. Die Industrieanlagen mit ihren hässlichen Zweckbauten entwerten leider die Situation und die Blicke auf die historischen Bauwerke. Bei km 244 fahren wir an dem Ort Veitshöchheim vorbei. Unsere Freunde, die heute nicht die Bootsperspektive gewählt haben, schwärmen uns später von dem Barockschloss und der prächtigen Gartenanlage vor.

Bald beherrschen auf der rechten Flussseite schroffe Steilfelsen die Landschaft. Wir blicken auf Jahrmillionen Erdgeschichte, die Gesteinsschichten und Ablagerungen sind an der steilen Abbruchkante markant zu erkennen. Der Main hat hier über Jahrmillionen sei großes Maindreieck in die Muschelkalkplatte hinein gegraben. Unzählige Meerestiere der Urzeit bilden den Muschelkalk, der eine ideale Grundlage für den Weinanbau bietet, Stammt die Feurigkeit und die große Stärke des Mainweines von dem vielem Leben, das hier im Muschelkalk eingeschlossen ist? – Wir werden diesen Weingeist auch weiter erforschen …

Die letzte Staustufe Himmelstadt bei km 232 nehmen wir links mit der kleinen Bootsschleuse – genau 9 Boote passen hinein, d. h. für uns reicht sie gerade aus. Dann geht es weiter bis Karlstadt. Jetzt beziehen wir den Zeltplatz am Ruderclub und freuen uns, dass das Wetter wieder einmal gnädig mit uns war.

Auch Karlstadt zählt zu den sehenswerten Mainstädten. Die Altstadt gehört zu den eindrucksvollsten altfränkischen Ensembles. Der Reichtum der Stadt begründet sich aus dem Weinanbau… und der Name? Dieses Mal ist es nicht der große Karl, der seine Spuren hinterlassen hat, denn Karlstadt ist erst eine Gründung aus den Jahren 1198 bis 1202. Die hoch über der Altstadt thronende Karlsburg gab der Stadt den Namen und dieser wird abgeleitet aus dem Namen: „Burg der starken Kerle“. – Als das fühlen wir uns auch – Starke Kerle mit 72,2 Mainkilometern unterm Kiel.

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